BioWaWi -
Biodiversität und Wasserwirtschaft

Entwicklung innovativer Handlungsoptionen für Unternehmen der Wasserwirtschaft zum Erhalt von Biodiversität und Ökosysteme


Die Vielfalt der Arten und deren Lebensräume (Biodiversität) ist ein hohes und schützenswertes Gut. Ein Lebensraum und die darin lebenden Arten bilden eine funktionelle Einheit, die auch als Ökosystem bezeichnet wird. Unternehmerisches Handeln hängt unmittelbar oder mittelbar mit Ökosystemen und ihren Leistungen zusammen. Deshalb haben sich die Stadtwerke Bühl GmbH (SWB) mit den Wissenschaftspartnern EIFER und DIALOGIK im Rahmen des Projekts Biodiversität und Wasserwirtschaft (BioWaWi) zusammengetan, um ein Umweltmanagementsystem zur Erfassung der Wechselwirkungen zwischen den Leistungen von Ökosystemen und den Unternehmensaktivitäten zu entwickeln..

Das Projekt

Das Forschungsprojekt BioWaWi wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Projekten zum Thema Wertschätzung und Sicherung von Biodiversität in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gefördert (siehe auch https://www.feda.bio/de/) . Die Förderung läuft zunächst für ein Jahr von Anfang Oktober 2020 bis Ende September 2021 unter der Fördernummer 01LC2008A. Eine Anschlussförderung über drei weitere Jahre wird angestrebt (Antragstellung bis Ende März 2021). Projektträger ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR).

Auftaktveranstaltung 122020

Das Projektziel

Das Ziel von BioWaWi ist es, den Wert von Biodiversität und von Leistungen der Ökosysteme in Entscheidungsprozesse von Unternehmen der Wasserwirtschaft zu integrieren. Dies wird am Beispiel der Trinkwasserversorgung untersucht. Das Wasserversorgungsunternehmen der Stadtwerke Bühl (SWB) strebt an, zum Erhalt der biologischen Vielfalt sowie von Ökosystemleistungen beizutragen und hierfür ein Umweltmanagementsystem einzuführen. Das Umweltmanagementsystem soll dazu dienen, Ökosysteme und ihre Leistungen stärker zu fördern und mögliche negative Auswirkungen auf die Biodiversität zu reduzieren. An dem Forschungsprozess werden unterschiedliche Interessengruppen (Stakeholder) beteiligt, um ihr Wissen zu integrieren und die Qualität und die Umsetzbarkeit des Umweltmanagementsystems zu sichern.

Übersicht über durchgeführte Tätigkeiten und Ausblick

Information zu Phase 1

In Phase 1 des Projektes wurden folgende Schritte druchgeführt:

Phase 1
Phasendiagramm

Im Projekt sind umweltbezogene und sozialwissenschaftliche Analysen eng verzahnt. Diese Projektabschritte greifen zeitlich und inhaltlich ineinander. Der erste Schritt bestand in der Identifikation und Einbindung relevanter Stakeholder in das Projekt. Im zweiten Schritt wurden auf Basis von Interviews Ökosystemleistungen (ÖSL) identifiziert, die eine besondere Bedeutung für das unternehmerische Handeln der SWB haben. Zur Beurteilung der Relevanz von ÖSL werden dabei auch zu erwartenden Entwicklungen in unterschiedlichen Bereichen berücksichtigt, wie beispielsweise gesetzliche (z.B. Überarbeitung der EU Trinkwasserrahmenrichtlinie), gesellschaftliche (z.B. Bevölkerungsanzahl und Verbraucherverhalten) oder umweltbezogene (z.B. Temperatur, Niederschlagsmengen und -verteilung). Als elementarer Teil des verfolgten Ecosystem Services Review werden im dritten Schritt die Chancen und Risiken für die SWB in Bezug auf ÖSL identifiziert und abgewogen. Im letzten Schritt werden aus den gesammelten Ergebnissen der vorherigen Phasen abschließende Empfehlungen für das Umweltmanagementsystem abgeleitet, dessen Fertigstellung innerhalb der Phase 2 des Projektes vorgesehen ist. Die Stakeholder werden in alle Schritte des Projektes einbezogen und haben insbesondere in den Sitzungen der Runden Tische die Möglichkeit, sich umfassend zu beteiligen.

Übersicht über die Beteiligungsveranstaltung in Phase 1

Folgende Veranstaltungen wurden über den Verlauf der Phase 1 des Projektes BioWaWi durchgeführt:

Auftaktveranstaltung am 01.12.2020 und erster Runder Tisch

Die rund 30 externen Teilnehmer kamen überwiegend aus Bühl und Umgebung. Auch waren überregionale Organisationen und Forschungsinstitute vertreten, die sich insbesondere mit Fragen der Biodiversität beschäftigen.

Die Auftaktveranstaltung verfolgte drei Hauptziele:

1) Lokale, regionale und bundesweit agierende interessierte Kreisen (Stakeholder) über das Projekt zu informieren;

2) Zu Rückmeldungen zum Thema und Projekt einzuladen;

3) Eine Liste relevanter lokaler Akteure und externer Berater*innen zu erstellen.

Runder Tisch am 21.01.2021

Nach der Auftaktveranstaltung wurden lokale Akteure (Betroffene und Interessierte) zu der zweiten Sitzung des Runden Tisches eingeladen.

In der Diskussion spielten besonders folgende Zusammenhänge eine Rolle:

1.    Die Auswirkungen der Trinkwasserbereitstellung auf die Biodiversität

2.    Der Klimawandel als wichtiger externer Einflussfaktor: Es wird bspw. ein Rückgang der Quellschüttungen verzeichnet wie auch eine Grundwasserabsenkung. Dadurch können Ökosysteme unter dem zunehmenden Wassermangel leiden und damit die Artenvielfalt beeinflusst werden.

3.    Die Methodik des Monitorings und der Zugang zu verlässlichen Daten zur Artenvielfalt

Folgende Themen wurden von den Stakeholdern genannt, die im weiteren Projektverlauf vertieft bearbeitet werden sollen:

1. Zusammenarbeit Forstwirtschaft und Wasserwirtschaft (Wasserschutzgebiete) (unterhalb der Schwarzwaldhochstraße)

2. Grundwasser-Konkurrenz durch Landwirtschaft, Industrie und private Entnahme

3. Konzentratwasserversickerung im Bereich Landmatt.

Runder Tisch am 21.04.2021 zum Thema “Umgang mit dem Konzentratwasser aus der Trinkwasseraufbereitung”

Neben dem Projektteam nahmen 13 Stakeholder (lokale und überregionale Akteure) am Runden Tisch teil.

Konzentratwasser entsteht durch die Entkalkung des Trinkwassers. Die Fragestellung „Wohin mit dem Konzentratwasser?“ stellt sich daher für alle Betriebe, die im großen Stil Wasser entkalken. Bisher ist es betriebliche Praxis, das Konzentratwasser über eine Kläranlage in einen Vorfluter einzuleiten, in dem es in der Folge stark verdünnt wird. Alternativ dazu wird die Möglichkeit diskutiert das Konzentratwasser zu versickern. Dieser Ansatz stellt ein Novum dar und soll in Bühl erprobt werden.

Außerdem wurden die bisherigen Ergebnisse des Ecosystem Services Review vorgestellt. Die Teilnehmenden hatten während der Veranstaltung wie auch im Nachgang die Möglichkeit, die Ergebnisse zu kommentieren und zu ergänzen. In Phase 1 des Projektes BioWaWi sollen zwei ÖSL eingehender im Hinblick auf regulatorische, gesellschaftliche und natürliche Trends analysiert werden, um Chancen und Risiken für das operative Geschäft der Stadtwerke Bühl abzuleiten. Die Teilnehmenden wurden um eine Priorisierung der vorgestellten ÖSL gebeten. Die bodenbezogene ÖSL „Wasserreinigung und Abbau organischer Stoffe“ und die kulturelle ÖSL „Erzieherische und inspirierende Werte“ sollen noch in Phase 1 behandelt werden. Die ÖSL “Erhalt der Bodenqualität“ wird zumindest implizit hinsichtlich der Filterfunktion dabei mitbehandelt. Aufgrund der Komplexität der ÖSL „Klimaregulierung“ gibt es ein starkes Votum, diese ÖSL erst in Phase 2 zu betrachten, ebenso wie die zentrale ÖSL „Süßwasser“.

Erste Informationen zu Phase 2

Der Projektstart für Phase 2 ist für den 01.10.2021 vorgesehen. In Phase 2 übernimmt das KIT die Leitung des Projekts. Das Konsortium wird um weitere Forschungseinrichtungen wie auch ein Ingenieurbüro ergänzt. Phase 2 baut auf den Erfahrungen und Ergebnissen der Phase 1 auf. Weitere Informationen folgen in Kürze.